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Feuerwehr fährt große Übung an der Kinderklinik

Feuerwehr fährt große Übung an der Kinderklinik

Der Albtraum für alle Beteiligten – für Patienten, Klinikpersonal und Rettungskräfte: Auf der Intensivstation der Dattelner Kinderklinik bricht ein Feuer aus, das von den Mitarbeitern mit Bordmitteln nicht gelöscht werden kann. Es breitet sich rasch aus, die Station ist stark verqualmt. Die Feuerwehr muss evakuieren. Genau diesem Szenario stellt sich die Dattelner Feuerwehr an einem nassen Novermberabend 2016 – bei der größten Übung, die es jemals an der Kinderklinik gab.

Gegen 19.35 Uhr geht der Alarm an der Leitstelle ein. Ausgelöst von der Brandmeldeanlage der Klinik. Die Rettungskräfte rücken angesichts der Schadenslage mit großem Besteck an. Einsatzleiter Johannes Klute hat das Kommando über rund 60 Einsatzkräfte.

Mit der Drehleiter baut die Feuerwehr einen Löschangriff für die Intensivstation im dritten Stock von außen auf.

Die Übung, die nach Angaben von Klinik-Geschäftsführer Andreas Wachtel schon längere Zeit vor der Brandkatastrophe im Bochumer Bergmannsheil geplant ist, ist deshalb möglich, weil die Intensivstation im dritten Stock in den letzten Monaten umgebaut wurde, aktuell noch leer steht und erst in der kommenden Woche wieder in Betrieb geht. Bei normalen Betrieb wäre ansonsten eine solche Aktion nicht möglich – wegen der sensiblen, medizinischen Situation der jungen Patienten. „Diese Chance wollen wir nutzen“, so Johannes Klute. Bei einer solchen Schadenslage kommt es darauf an, dass Rettungskräfte und Klinikpersonal Hand in Hand arbeiten. Und um genau dieses Zusammenspiel zu testen, um herauszufinden, was gut und was schlecht läuft, sei eine Übung extrem hilfreich, so Klute.

Dabei wird der „worst case“, der schlimmste Fall, geprobt. Nicht nur, dass es auf der Intensivstation brennt. Das Feuer bricht an einer Schnittstelle aus, so wird es unmöglich, eine Station hausintern von der einen Gebäudeseite auf die andere zu evakuieren. In diesem Fall kommt dem Treppen- und Fahrstuhlhaus an der Seite der Klinik besondere Bedeutung zu. Das ist mit einer Technik ausgestattet, die laut Wachtel Überdruck erzeugt, um das Treppenhaus rauchfrei zu halten. Und der Fahrstuhl kann separat über ein externes Notstromaggregat betrieben werden. Und genau das muss die Wehr am Dienstag einsetzen. Denn – wie gesagt „worst case“ – durch das Feuer fällt nicht nur die normale Stromversorgung, sondern auch das klinikeigene Notstromaggregat aus. Die Stromverbindung steht nach 20 Minuten, der Fahrstuhl kann zur Personenrettung verwendet werden.

Parallel kämpfen sich die Rettungskräfte unter Atemschutz auf der Station zu den Patienten vor, andere Kollegen schließen die Wasserversorgung an die Steigleitungen der Klinik an, damit die Trupps oben vor Ort über Löschwasser verfügen. Die Übung an sich läuft drinnen allerdings trocken ab. Fünf Personen – darunter ein bettlägeriger – müssen evakuiert und ins Streitenberger-Haus verlegt werden. Diese Aufgabe übernehmen Feuerwehr und Klinikmitarbeiter gemeinsam.

Um 20.20 Uhr endet der Einsatz der Feuerwehr. Erstes Fazit: Das oberste Ziel, alle Patienten lebend zu retten, ist erreicht. Weitere Manöverkritik zwischen Klinik und Feuerwehr folgt.

Insbesondere das Zusammenspiel zwischen Klinik-Mitarbeitern und Rettungskräften, das

Mit vereinten Kräften tragen Klinik-Mitarbeiter eine Patientin durch das Treppenhaus nach draußen.

einen der zentralen Übungspunkte darstellte, habe „super funktioniert“, so Dattelns stellv. Stadtbrandmeister Theo Berkel. Natürlich gebe es einige Kleinigkeiten, die aufgefallen seien. „Aber dafür ist ja eine solche Übung da, um die Schwachstellen zu entdecken.“ Dass im Einsatz – wie am Dienstagabend passiert – ein Schlauch platzt, gehöre zum normalen Alltag bei Feuerwehreinsätzen.

Auch aufseiten der Klinik sind während der Übung einige Aspekte aufgefallen. Zum Beispiel eine fehlende Ausleuchtung eines Seitenweges von der Klinik zum Streitenberger-Haus, zu dem die „Evakuierten“ gebracht wurden.

„Im Normalfall gibt es damit keine Probleme. Aber wenn unsere Mitarbeiter im Notfall nachts einen Bettlägerigen über diesen Weg transportieren müssen, sieht die Sache schon anders aus,“ sagt Berthold Freitag von der Klinik. „Das werden wir aufgreifen.“ Besonders freut Freitag das Engagement, mi dem sich die Mitarbeiter der Intensivstation auf die Übung vorbereitet hatten. „Auch andere Stationen befassen sich jetzt intensiver mit dem Thema Brandschutz und den Gegebenheiten im Notfall auf ihrer eigenen Station.“ Das liege auch daran, dass heute viel praxisbezogener der Ernstfall durch den Klinik-Brandschutzbeauftragten aufbereite würde, und sich nicht nur auf die Theorie beschränke.

Mit freundlicher Unterstützung der Dattelner Morgenpost. Fotos: Andreas Kalthoff